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Umweltschutzorganisationen warnen seit Jahren, dass es nie eine sichere Lagerung von Atommüll für hunderttausende von Jahren geben werde. Greenpeace fordert daher u.a. eine Beendigung der Atommüll-Produktion und ein gesetzlich festgelegtes Atommüll-Exportverbot.

In einer französischen Studie von 1997 wurde der Zusammenhang zwischen den radioaktiven Einleitungen aus La Hague und einer erhöhten Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt ist die Blutkrebsrate innerhalb eines Umkreises von 10 Kilometern um die Anlagen um den Faktor drei erhöht.

In der Nordsee wurde Anfang der 1970er Jahre ein Anstieg der Aktivitätskonzentration von 137Cs nachgewiesen. Messungen haben gezeigt, dass auch die Wiederaufarbeitungsanlage im Englischen Sellafield für diese Kontamination verantwortlich war. In den 1980er Jahren nahmen die Einleitungen ab, so dass diese Reduzierung auch in der Nordsee messbar wurde. Mit der Ernte von Blasentang in der Irischen See, das zu Nahrungs-, Futter- und Düngemittel verarbeitet wurde, gelangte radioaktiv belastetes Material in die Nahrungskette. Nach Untersuchungen des Öko-Instituts sind die aufgenommenen Dosen über diesen Pfad allerdings relativ gering. Nach dieser Studie lagen die effektive Dosen für den Abwasserpfad dieser Anlage bei 7,9 mSv/a (Milisievert pro Jahr) für den Erwachsenen und 7,7 mSv/a für das Kleinkind, während vergleichbare Werte für La Hague bei 2,3 bzw. 0,83 mSv/a lagen. Deutsche Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung wären damit für Sellafield überschritten.

Unfälle mit radioaktivem Abfall

Eine Reihe von Vorfällen ereignete sich, als radioaktives Material nicht korrekt entsorgt wurde – beispielsweise auf einem Schrottplatz, von wo es zum Teil sogar gestohlen wurde – oder die Abschirmung während des Transportes defekt war.

In der Sowjetunion wurde Abfall aus der Kerntechnischen Anlage Majak, der im Karatschai-See entsorgt wurde, während eines Sturms in der Umgebung verteilt, nachdem der See teilweise ausgetrocknet war.

In einer Entsorgungsfabrik für schwach-radioaktive Materialien in Maxey Flat, Kentucky, sind Entsorgungs-Gruben, die nur mit Erde anstelle von Stahl oder Zement bedeckt waren, durch starken Regen eingestürzt und füllten sich mit Wasser. Das eingedrungene Wasser wurde kontaminiert und musste in der Entsorgungsfabrik selbst behandelt werden.

In anderen Vorfällen mit radioaktivem Abfall sind Seen oder Teiche mit Atommüll während außergewöhnlich starker Stürme überflutet worden. Radioaktives Material gelangte dabei in Flüsse. Dies passierte beispielsweise in Italien, wobei auch als Trinkwasser geeignetes Wasser verseucht wurde. In Frankreich ereigneten sich im Sommer 2008 eine Reihe von Vorfällen, einer davon in der Nuklearanlage Tricastin, wo während einer Entleerungsaktion Flüssigkeit mit unbehandeltem Uran aus einem defekten Tank floss und dabei ungefähr 75 kg des radioaktiven Materials zunächst in den Boden sickerten und von dort in zwei nahegelegene Flüsse. In einem anderen Fall wurden 100 Mitarbeiter kleinen Dosen von Strahlung ausgesetzt. Der Tag dieses Ereignisses fiel in einen 15-tägigen Zeitraum, in welchem bei vier Fehlfunktionen in vier verschiedenen französischen Kernkraftwerken insgesamt 126 Arbeiter verstrahlt wurden.

Die Plünderung von altem, mangelhaft bewachten radioaktiven Material war die Ursache für mehrere andere Vorfälle, bei denen Menschen gefährlicher Strahlung ausgesetzt wurden. Diese ereigneten sich meist in Entwicklungsländern, die weniger Vorschriften für den Umgang mit gefährlichen Stoffen haben, weniger generelle Aufklärung über Radioaktivität und deren Gefahren betreiben und zudem einen Markt für Metallschrott und geplünderte Güter besitzen. Sowohl die Plünderer selbst als auch die Käufer des Materials sind sich meist nicht bewusst, dass das Material radioaktiv ist, zumal es auch oft wegen seines ästhetischen Wertes ausgewählt wird. Unverantwortlichkeit auf der Seite der ursprünglichen Besitzer des radioaktiven Materials – üblicherweise Krankenhäuser, Universitäten oder das Militär – sowie das Fehlen oder die nicht konsequente Umsetzung von Vorschriften zum Umgang mit Atommüll sind maßgebliche Faktoren, die zu derartigen Unfällen führen.

Beispiele für solche Vorfälle sind der Goiânia-Unfall und der Nuklearunfall von Samut Prakan.

In den Nachfolgestaaten der UdSSR wurden zur Stromerzeugung in abgelegenen Gebieten seit 1976 1000-1500 Radioisotopengeneratoren (RTGs) hergestellt, in welchen oft große Mengen (bis zu über 100 kg) radioaktiven Materials, meist 90Strontium, eingesetzt wurden. Alle diese Geräte haben mittlerweile ihre Lebensdauer überschritten. Aufgrund der schleppenden Demontage und Entsorgung durch die zuständigen Behörden sowie der meist unzureichenden Sicherung dieser Anlagen kam es mindestens bis 2006 zu Freisetzungen strahlenden Materials durch Korrosion und insbesondere durch Metall-Diebstähle.

Auch aus Georgien wurde berichtet, dass Holzfäller in Wäldern die zurückgelassenen Bestandteile der Isotopenbatterien ehemaliger mobiler militärischer Funkanlagen fanden. In Georgien wird von der IAEA und der georgischen Regierung aktiv nach sogenannten Orphan-Strahlern („herrenlose Strahler“) gesucht, da es bereits zu schwerwiegenden Verletzungen kam. Neben den 90Strontium enthaltenden RTGs sind das vor allem 137Caesium-Quellen aus militärischer und landwirtschaftlicher Nutzung.

Transportunfälle mit ausgedienten Brennstäben von Kernkraftwerken haben aufgrund der Stärke der Transportbehälter selten ernsthafte Konsequenzen.

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Atommüllentsorgung?

Legale Entsorgung in den Weltmeeren

Radioaktive Abfälle konnten legal im Meer verklappt werden, bis diese Vorgehensweise zumindest für Feststoffe 1994 von der International Maritime Organisation (IMO) verboten wurde. Sämtliche Atommüll produzierenden Länder haben bis dahin in weniger als 50 Jahren mehr als 100.000 Tonnen radioaktiven Abfall im Meer versenkt. Die Briten haben hierbei mit 80 % den größten Anteil beigesteuert, gefolgt von der Schweiz, die bis 1982 schwach- und mittelaktive Abfälle sowie radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung unter der Führung der OECD im Nordatlantik versenkt hat. Die USA haben gegenüber der Internationalen Atomenergieorganisation eingeräumt, von 1946 bis 1970 über 90.000 Container mit radioaktivem Abfall vor ihren Küsten versenkt zu haben. Aus Deutschland wurden einige hundert Tonnen Atommüll im Meer entsorgt.

Die direkte Einleitung von radioaktiven Abwässern in das Meer ist jedoch nach wie vor legal und wird auch noch praktiziert: Die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague spült über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in den Ärmelkanal. Auch in Sellafield werden ganz legal radioaktive Abwässer in die Irische See eingeleitet. Diese Einleitungen übersteigen die Einleitungen aus La Hague für fast alle Nuklide.

Lagerung unter freiem Himmel

Im Oktober 2009 wurde durch die Berichterstattung um den Film Albtraum Atommüll öffentlich bekannt, dass Frankreich seit den 90er-Jahren heimlich einen nicht unerheblichen Teil seines Atommülls nach Sibirien transportiert. In der Stadt Sewersk, in der mehr als 100.000 Menschen leben, lagern knapp 13 Prozent des französischen radioaktiven Abfalls in Containern unter freiem Himmel auf einem Parkplatz. Zudem wurde öffentlich, dass Deutschland sogar in noch größerem Maße radioaktiven Abfall nach Russland exportiert.

Die Lagerung wird vom zuständigen Sicherheitsbeamten dort unkritisch gesehen. Er gestand in einem Interview jedoch ein, dass im Falle eines Flugzeugabsturzes oder eines ähnlichen Unfalles in der Nähe der Container ein Problem bestünde.

Die kirgisische Stadt Mailuusuu ist umgeben von 36 nicht gesicherten Lagern von Uranabfällen und zählt zu den zehn am schlimmsten verseuchten Gegenden der Erde. Seit mindestens 2009 droht der Abrutsch von 180.000 Kubikmetern Uranschlamm in einen Fluss, wodurch das Trinkwasser in Kirgisistan und Usbekistan radioaktiv verseucht würde.

Illegale Entsorgung

Im September 2009 wurde 28 Kilometer vor der Küste Süditaliens das Wrack eines 110 Meter langen Frachters mit 120 Behältern Atommüll an Bord entdeckt. Damit wurde der seit Jahrzehnten bestehende Verdacht bestätigt, dass die italienische Mafia Giftmüll im Mittelmeer entsorgt. Mindestens 32 Schiffe mit Gift- und Atommüll sollen auf diese Weise in der Adria, dem Thyrrenischen Meer und vor den Küsten Afrikas versenkt worden sein. Die Herkunft des radioaktiven Materials ist bislang nicht geklärt.

Im Jahr 1990 ist das Schiff ‘Jolly Rosso’ an der Küste Kalabriens gestrandet. Die Ladung wurde nie identifiziert, jedoch vermutlich in der Nähe der Gemeinde Amantea illegal vergraben. Nachdem sich in den Folgejahren die Krebsfälle in der Region häuften, fanden Techniker in der Nähe die vermeintliche Schiffsladung und stellten dort erhöhte Radioaktivität und eine Erwärmung des Erdreichs um sechs Grad fest.

In der Ostsee wurden zwischen 1991 und 1994 radioaktive und chemische Altwaffen aus sowjetischen Beständen illegal versenkt.

Entsorgung ohne genauen Nachweis

Im Dezember 2009 wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass bei der Erdöl- und Erdgasförderung jährlich Millionen Tonnen radioaktiv verseuchter Rückstände anfallen, für dessen Entsorgung größtenteils der Nachweis fehlt. Im Rahmen der Förderung an die Erdoberfläche gepumpte Schlämme und Abwässer enthalten NORM-Stoffe (Naturally occurring radioactive material), u. a. das hochgiftige und extrem langlebige Radium 226 sowie Polonium 210. Die spezifische Aktivität der Abfälle beträgt zwischen 0,1 und 15.000 Becquerel (Bq) pro Gramm. In Deutschland, wo etwa 1.000 bis 2.000 Tonnen Trockenmasse im Jahr anfallen, ist das Material laut der Strahlenschutzverordnung von 2001 bereits ab einem Bq pro Gramm überwachungsbedürftig und müsste gesondert entsorgt werden. Die Umsetzung dieser Verordnung wurde der Eigenverantwortung der Industrie überlassen, wodurch die Abfälle letztlich über Jahrzehnte hinweg sorglos und unsachgemäß beseitigt wurden. Es sind Fälle dokumentiert, in welchen Abfälle mit durchschnittlich 40 Bq/g ohne jede Kennzeichnung auf einem Betriebsgelände gelagert wurden und auch nicht für den Transport besonders gekennzeichnet werden sollten.

In Ländern mit größeren geförderten Mengen von Öl oder Gas entstehen deutlich mehr Abfälle als in Deutschland, jedoch existiert in keinem Land eine unabhängige, kontinuierliche und lückenlose Erfassung und Überwachung der kontaminierten Rückstände aus der Öl- und Gasproduktion. Die Industrie geht mit dem Material unterschiedlich um: In Kasachstan sind weite Landstriche durch diese Abfälle verseucht, in Großbritannien werden die radioaktiven Rückstände in die Nordsee geleitet. In den Vereinigten Staaten wurde radioaktiv belastetes Material an Kindergärten und Schulen verschenkt.

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Atommüll – wohin damit?

Endlagerung

Aufgrund der langen Zeiträume sowie durch die Radioaktivität sind die Lagermaterialien nicht notwendigerweise dauerhaft in der Lage, die eingebundenen Stoffe zu halten. Daher ist die sichere Lagerung des verarbeiteten Mülls entscheidend. Unterirdische Lagerstätten, die keinen oder nur geringen Wasserdurchfluss haben, sind von Vorteil, da in Abwesenheit von Wasser die Lagerbehälter vergleichsweise langsam korrodieren. Selbst nach Zerfall der Lagerbehälter soll ein Transport der radioaktiven Substanzen durch das Gestein sehr langsam erfolgen. Die geologischen Eigenschaften des Gebirges müssen dabei den sicheren Einschluss der radioaktiven Stoffe gewährleisten, so dass diese nicht in die Biosphäre gelangen können. Die Untersuchungen zur Schaffung von Warnzeichen und Warnsymbolen, die über Jahrtausende auf die eingelagerten radioaktiven Stoffe hinweisen, werden unter dem Begriff Atomsemiotik zusammengefasst. Als Endlagerstätten werden etwa Salzstöcke in geologisch stabilen Gesteinsschichten diskutiert. Auch Granit, Tongestein oder Tuff kommen als Wirtsgesteine in Frage. Die seit 1979 andauernde Erkundung des Standortes im Salzstock Gorleben in Norddeutschland wurde im Oktober 2000 durch das BMU unterbrochen. Der Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandort (AkEnd) wurde beauftragt, wissenschaftlich fundierte Kriterien für ein relativ sicheres Endlager aufzustellen. Die derzeitige Bundesregierung unter Angela Merkel strebt jedoch eine forcierte Lösung der Endlagerfrage an. Zwischen 1967 und 1978 wurde in der Schachtanlage Asse die Einlagerung radioaktiver Abfälle großtechnisch erprobt. Nach Bekanntwerden größerer Salzlaugenzuflüsse zum Bergwerk wurde die Schachtanlage Asse zum 1. Januar 2009 vom Bundesamt für Strahlenschutz übernommen, welches die seit 1995 andauernde Schließung weiter durchführt.

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Endlager für Atommüll

Es ist Zeit zu handeln!

Wie lange müssen wir noch dulden, daß Atom-Müll unaufhaltsam gelagert
wird, ohne zu wissen wie sicher die Lager auf Dauer betrieben werden können?

Unzählige Berichte in Presse, Funk und Fernsehen beschreiben immer
wieder das Szenario, daß diese Lager nicht sicher sind.

Der Bürger wird, sollte er seinen Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen zu
Bußgeldern verurteilt und muß sich verantworten. Warum eigentlich wird nur der
Bürger und nicht auch die Volksvertreter oder die Müllverursacher zur Verantwortung gezogen?

Traurig aber wahr!

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Gorleben

Beim niedersächsischen Elbedorf *Gorleben* befinden sich im Landkreis Lüchow Dannenberg (Wendland) zwei oberirdische Zwischenlager für radioaktiven Müll, eine Konditionierungsanlage und ein Erkundungsbergwerk für ein Endlager. *Gorleben *wurde am 22.2. 1977 als Standort für ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ benannt. Der Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage konnte durch den fantasievollen Anti-Atom-Widerstand im Wendland verhindert werden. Seit 1983 wird schwach-mittelradioaktiver Müll und seit 1996 hochradioaktiver Müll in sogenannten Castor-Behältern in den Zwischenlagern abgestellt.

Zeittafel

1976 hat sich der damalige niedersächsischer Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) ausschließlich aus politischen Gründen für Gorleben als Standort eines „Nuklearen Entsorgungszentrums” entschieden. Dies ist keine These, denn 17 Jahre später berichtete der damalige Vizepräsident des niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, Prof. Gerd Lüttig, wie es zur Standortbenennung Gorlebens kam. Ministerpräsident Albrecht war verärgert und äußerte gegenüber dem Professor, „Die DDR hat uns mit dem Endlager Gorleben so geärgert, jetzt ärgern wir mit Gorleben zurück.”

Geografischer Hintergrund:
Morsleben liegt unmittelbar an der Grenze zur Bundesrepublik, Gorleben nur 2 Km von der ehemaligen DDR-Grenze entfernt. Zur damaligen Zeit hätten bei einer atomaren Katastrophe in Gorleben allein in einem Radius von 30 Km über 70 Prozent der betroffenen Menschen in der DDR gewohnt.
1986 wird mit den ersten Arbeiten begonnen. Schacht 2 ist bis auf 840 m abgeteuft.
1997 hat der Schacht 1 die Endtiefe von 933 m erreicht. In Gorleben werden nun Strecken von insgesamt ca. 25 km Länge in den Salzstock getrieben, um weitere Untersuchungen vornehmen zu können. Die Bundesregierung rechnet für das Endlager Gorleben mit Gesamtkosten von 4,58 Mrd. DM bis zur Inbetriebnahme.
2000 In diesem Jahr wird die Erkundung durch den Energiekonsens der rot-grünen Bundesregierung mit den Stromkonzernen gestoppt. Das nun beschlossene Moratorium ist Bestandteil des Rot-Grünen Ausstiegskonzepts. Dieses Moratorium ist aber nicht mit planerischen Mängeln und den katastrophalen geologischen Befunden begründet. So ist zu befürchten, dass Gorleben selbst bei einer weiteren Endlagersuche Favorit bleiben würde. Längstenfalls dauert das Moratorium bis 2010 an, kann aber jeden Moment aufgehoben werden.

Sicherheitsprobleme

Die Eignung des Gorlebener Salzstocks, der ab dem Jahr 2030 als Endlager für alle Arten von Atommüll dienen soll, wird seit Jahrzehnten von namhaften Geologen bestritten. 1987 kracht ein Schacht fast zusammen, permanente Wassereinbrüche beim Abteufen begleiten den Ausbau des Endlagers, das als „Erkundungsbergwerk“ getarnt bisher nach Bergrecht und damit unter rechtlichem Ausschluss der Öffentlichkeit vorangetrieben wurde. Lediglich der in seinen Salzrechten tangierte Atomkraftgegner Graf Bernstorff konnte von seinem Klagerecht Gebrauch machen. Inzwischen ist mit der Salinas Salz GmbH ein wirtschaftlich ernstzunehmender Gegenspieler zum Endlagerbau auf dem Plan.

Über dem Salzstock fehlt auf über 7,5 Quadratkilometern ein schützendes Deckgebirge. Es ist löchrig und teilweise gar nicht vorhanden. Das bedeutet, dass über unterirdische Wasserwege auf Dauer todbringende radioaktive Isotope in die Biosphäre gelangen werden. Deshalb sprechen wir von einem „Atommüllklo mit Wasserspülung nach oben“. Niemand würde so etwas in seinem Haus einbauen, oder?

Es ist bekannt, dass Salz in Kontakt mit stark Wärme entwickelndem radioaktiven Müll reagiert. Es spaltet sich so auf, dass sich Natrium und Chlorgas separieren. Chlorgas sollte nicht an Wärmequellen gelagert werden. Prof. Den Hartog, von der Universität Groningen fand bereits vor Jahren heraus, dass es zu weiteren chemischen Rückreaktionen bis hin zu einer unberechenbaren Kette von Explosionen in den sogenannten Voids kommen kann. Die Niederlande haben deshalb schon in den Neunziger Jahren von Endlagerplänen in Salz Abstand genommen.

Prof. Dr. Eckhard Grimmel von der Universität Hamburg, der lange Zeit Gorleben als Geologe untersuchte warnt neben den Wasser führenden Schichten und dem Fehlen einer Barriere vor der Mobilität des Salzstocks. Der Salzstock erstreckt sich unter der Elbe bis zum Ort Rambow. Er ist an einigen Stellen eingestürzt. Dort entstanden dadurch bereits Seen, die touristische Attraktionen sind. Da das Deckgebirge als wirksame Barriere gegen die Ausbreitung langlebiger Radionuklide weitgehend ausfällt, müsste der Salzstock alleine die gesamte langfristige „Sicherheitslast“ tragen. Denn die eingelagerten Behälter stellen keinerlei Schutz dar, weil sie in dem aggressiven Medium Salz korrodieren. Der Salzstock Gorleben ist deshalb weder kurz- noch langfristig für die Endlagerung von hochradioaktivem Müll geeignet. Prof. Dr. Eckhard Grimmel hat ab 1980 den Deutschen Bundestag über Möglichkeiten der Entsorgung radioaktiver Abfälle beraten. Er warnt in seinem neuen Buch „Kreisläufe der Erde“ (ISBN: 3-8258-8212-8) vor einem Gorlebener Endlager: „Seit 1984 steht fest, dass dieser Salzstock als Endlager ungeeignet ist“. Grimmel fasst zusammen: „Der Salzstock ist nicht durch eine hinreichende mächtige und lückenlose Tondecke von den wasserführenden Schichten abgeschirmt. Der Salzstock ist nicht in Ruhe und steigt noch weiter auf. Der Salzstock hat durch Salzauflösung bereits einen großen Teil seiner Substanz verloren und wird noch weiter abgelaugt. Darüber hinaus ist zweifelhaft, ob Salz grundsätzlich für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle geeignet ist. Durch unkontrollierbare Reaktionen des Salzes (Radiolyse), initiiert durch Wärmeeintrag und Strahlung, ist die Stabilität des Salzstocks zusätzlich gefährdet“.

Grimmel empfiehlt, die Gorlebener Zwischen- und Endlagergebäude in ein „Niedersächsisches Museumsdorf für technische Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts“ umzuwandeln. Dort könnte die Gefährdung der Biosphäre durch den sogenannten „Kernbrennstoffkreislauf“ dargestellt, erläutert und dokumentiert werden. Dieser Empfehlung schließen wir uns an. Allerdings müsste die Castor Zwischenlagerhalle, die laut Betreiber nur ein Wetterschutz ist, noch abgedichtet werden, bevor sie als Museum dienen könnte.

Zum Gorlebener Atomkomplex gehören weitere Anlagen. Ein Zwischenlager für schwach bis mittelradioaktiven Müll, ein Zwischenlager für hochradioaktiven Müll und eine Konditionierungsanlage, die nicht in Betrieb ist. Das Zwischenlager für hochradioaktiven Müll ist bekannt durch die Transporte von Castor-Behältern, die regelmäßig von der entschlossenen Bevölkerung trotz martialischer Polizeiaufgebote blockiert werden. Jeder Transport in das Zwischenlager macht Gorleben als Endlagerstandort wahrscheinlicher. Obwohl ein Moratorium verhängt wurde, rollen die Transporte und schaffen einen unnötigen Sachzwang auf ein Endlager Gorleben.

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Atom-Müll Endlager

Sind Enlager sicher? Eher nicht?

*An zwei Orten in Deutschland wurde in den letzten Jahrzehnten Atommüll* in tiefe geologische Formationen verbracht, um sie dort für alle Zeiten „wartungsfrei“ und nicht rückholbar zu lagern. Das „Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben (ERAM)“ in Sachsen-Anhalt und die ASSE II bei Remlingen (Kreis Wolfenbüttel). *Die Erfahrungen mit diesen Endlagern sind dramatisch*.

Daher wenden wir uns mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit. Das Endlager Morsleben ist so instabil, dass es im Rahmen bergbaulicher Gefahrenabwehr teilweise notverfüllt werden muss, ohne das atomrechtliche Schließungsverfahren abwarten zu können. In die ASSE II läuft seit nahezu 20 Jahren Wasser und nähert sich dem Atommüll bedrohlich. Selbst der Betreiber befürchtet ein Absaufen des Lagers und versucht, mit Hinweis auf eine akute Gefährdung, ein ordentliches, atomrechtliches Schließungsverfahren ganz zu umgehen und den Atommüll zu fluten. Die damit verbundenen Gefahren für Leben und Gesundheit für die AnwohnerInnen und künftige Generationen sind nicht hinnehmar.

Trotz dieser offensichtlich katastrophalen Erfahrungen mit Morsleben und ASSE II soll mit Schacht KONRAD in Salzgitter in den nächsten Jahren ein weiteres Endlager in Betrieb genommen werden. Auch die Arbeiten am
Erkundungsbergwerk in Gorleben sollen fortgesetzt werden. Zu diesen Standorten gibt es seit Jahrzehnten erhebliche wissenschaftliche und konzeptionelle Zweifel.

Wir wenden uns mit diesem Aufruf an die bundesweite Öffentlichkeit, *weil es eine gemeinsame Verantwortung für den Umgang mit den atomaren Hinterlassenschaften gibt*, die in nur einer Generation angehäuft wurden, aber das Leben tausender Generationen gefährden.

Wir stellen fest:

  • Dem Konzept der nicht-rückholbaren, wartungsfreien Endlagerung ist offensichtlich nicht zu trauen!
  • Bis heute gibt es weltweit kein wirklich abgesichertes, auf einem gesellschaftlichen Konsens beruhendes Konzept für die Endlagerung von Atommüll.

Angesichts dieser Erfahrungen halten wir es für dringend geboten, keinen weiteren Atommüll zu produzieren; vollkommen absurd ist das Ansinnen der Atomindustrie, die Produktion von Atommüll durch Laufzeitverlängerungen noch zu erhöhen.

Wir fordern:

  1. Erste Priorität setzen auf die langzeitsichere Sanierung der Altlasten ERAM Morsleben und ASSE II unter Einbezug unabhängiger Wissenschaftler und der kritischen Öffentlichkeit!
  2. Konsequenzen ziehen: Schacht KONRAD nicht in Betrieb nehmen, die Endlagerung in Gorleben nicht weiter vorbereiten!
  3. Eine kritische, offene Auseinandersetzung mit dem Thema Atommülllagerung und einen ergebnisoffenen Neuanfang bei der Suche nach dem sichersten Umgang mit dem Atommüll!

*Bitte unterstützen Sie uns in diesen Forderungen!*
Wir stellen gerne weitere Informationen und ReferentInnen zur Verfügung.

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